Hast du dich auch schon mal gefragt, warum wir eigentlich die Dinge tun, die wir tun? Und warum wir sie dann auch noch immer und immer wieder auf genau die gleiche Art und Weise tun?

Wovon ich hier rede ist das Thema „Gewohnheiten“. Wir alle haben Gewohnheiten. Positive, wie auch negative! Viele der Gewohnheiten, die du hast, laufen vollkommen automatisch und unterbewusst ab, so dass du dir derer gar nicht bewusst bist und sie im Alltag auch gar nicht wahrnimmst.

Das Ziel, das dein Verstand damit verfolgt, ist uns von der Evolution mitgegeben und lautet wie folgt: Energie sparen!

Gewohnheiten sind also nichts anderes als erlernte Verhaltensmuster, die unseren Verstand in bestimmten Situationen auf Autopilot schalten, um Energie & Ressourcen zu sparen.

Klingt erstmal cool und hilfreich, aber nur wenige Menschen sind sich auch tatsächlich der Rolle bewusst, die unsere Gewohnheiten in unserem Leben spielen.

Falsche & destruktive Gewohnheiten zu haben, setzt deinen Verstand in bestimmten Situationen nicht einfach nur auf Autopilot, sondern es ist so, als ob du einen Betrunkenen ans Steuer lässt, von dem du eigentlich genau weißt, dass er die Kiste mit absoluter Sicherheit schon bald gegen die Wand fährt.

Ich hoffe dieser Vergleich macht es ein Stück weit deutlich, wie ernst du das Thema „Gewohnheiten“ nehmen solltest.

In diesem Artikel möchte ich dir genau erklären, wie Gewohnheiten zustande kommen bzw. wie sich diese dann aufrechterhalten und zum Ende gibt’s noch ein cooles kurzes Beispiel, das verdeutlichen sollen, wie die Werbeindustrie uns mithilfe des Wissens über Gewohnheiten manipuliert, um Produkte zu verkaufen.
 

Der 3-teilige Prozess einer Gewohnheit

Ok, wollen wir uns doch jetzt aber erstmal ansehen, wie Gewohnheiten entstehen und wie sie funktionieren. Das Thema „Gewohnheiten“ wird bereits seit Jahrzehnten in Bereich der Verhaltensforschung und Psychologie studiert und dank zahlreicher Studien weiß man mittlerweile sehr genau, wie Gewohnheiten geformt und gefestigt werden. Und jetzt lernst du es auch! Hier ist wie unsere Gewohnheiten funktionieren:
 

Gewohnheiten sind wie Kreise

Man hat herausgefunden, dass Gewohnheiten sich am besten und einfachsten, als ein Kreis vorzustellen sind. Warum? Weil Gewohnheiten ja rekursive Abläufe sind.

Also Abläufe, die sich am Ende selbst aufrufen und von neuem beginnen. Es ist ja die Eigenschaft einer Gewohnheit, dass sie sich immer und immer wieder wiederholt.

Ok, stellen wir uns also zunächst einmal einen Kreis vor.

Wie eine Gewohnheit funktioniert

Wie man herausgefunden hat, gibt es einen 3-teiligen Prozess, der beschreibt, wie eine Gewohnheit abläuft.
 

Schritt 1: Der Auslöser

Zu Beginn einer Gewohnheit steht immer ein Auslöser. Etwas, dass die Gewohnheit aktiviert und sie in Gang setzt. Das kann ein äußerer oder innerer Reiz, eine Emotion oder ein Gedanke sein.

Der erste Schritt einer Gewohnheit: Der Auslöser

Hier ein Beispiel:

Sehen wir uns mal einen Raucher an. Einen Raucher names Bob. Und Bob sitzt abends mit seinen Kumpels in der Stammkneipe, in der sie regelmäßig ihren Feierabend ausklingen lassen.

Nun schlägt plötzlich einer der Kumpels von Bob vor, doch mal eine kurze “Raucherpause” einzulegen und raus eine qualmen zu gehen.

Und schon haben wir hier den Auslöser! Sogar ein echtes Vorzeigebeispiel!

Bob’s Verlangen nach einer Zigarette war in dem Moment vielleicht nicht einmal wirklich stark, aber durch den Auslöser, den Vorschlag seines Kumpels raus eine rauchen zu gehen, wird die Gewohnheit in Gang gesetzt und was macht Bob? Natürlich, er geht erstmal getrieben von seiner Gewohnheit eine qualmen.
 

Schritt 2: Die Routine

Auf den Auslöser folgt stets der 2te Teil einer Gewohnheit. Und das ist die Routine.

Der zweite Schritt einer Gewohnheit: Die Routine

Die Routine ist nichts weiter, als das, was die meisten von uns meinen, wenn sie von einer Gewohnheit sprechen, die sie haben. In Wahrheit ist es aber nur ein Teil einer vollständigen Gewohnheit, wie du ja gerade lernst.

Mit „Routine“ ist die Handlung gemeint, die wir im Prozess einer Gewohnheit ausüben.

Nehmen wir hier wieder das Beispiel mit unserem Raucher Bob, ist die Routine das Rauchen der Zigarette.

Routinen können sehr verschieden sein und alle möglichen Farben und Formen annehmen. Vom Beißen der Fingernägel, über das Naschen von Süßkram, bis hin zum morgendlichen Gang ins Bad.

Die Routine ist also das, was wir bei einer Gewohnheit tun.
 

Schritt 3: Die Belohnung

Und als 3ter und abschließender Schritt des Prozesses einer Gewohnheit, kommt die Belohnung.

Der dritte Schritt einer Gewohnheit: Die Belohnung

Das ist der Teil, der dafür sorgt, dass sich eine Gewohnheit überhaupt erst formt und der diese danach auch in Gang hält bzw. sie in unserem Verstand festigt.

Ohne Belohnung, gibt’s auch keine Gewohnheit! Erst durch diese erhält unser Verstand das Signal, das eine Routine, auf einen bestimmten Auslöser, sinnvoll war und nächstes mal – wenn dieser Auslöser erneut auftritt – wieder ausgeführt werden soll.

Ebenso wie das Aussehen eines Auslösers und einer Routine stark variieren kann, können Belohnungen ganz unterschiedliche Formen annehmen. Es kann eine körperliche oder auch psychische Befriedigung sein. Was zählt ist aber, dass Belohnungen eine Gemeinsamkeit haben: Sie gefallen uns bzw. unserem Verstand!

Nehmen wir das vorherige Beispiel mit dem Raucher namens Bob in der Kneipe, lässt sich die gesamte Gewohnheitskette wie folgt beschreiben:

  • 1. Auslöser: Der Vorschlag eines Freundes eine rauchen zu gehen.
  • 2. Routine: Das tatsächliche Rauchen der Zigarette.
  • 3. Belohnung: Körperliche Befriedigung des Verlangens nach Nikotin + Sozialisierung (nett mit dem Freund plaudern)

Du siehst, dass beim Thema “Rauchen” in vielen Situationen sogar mehr als nur eine Belohnung im Spiel ist, was diese Gewohnheit sehr, sehr stark macht und sie schnell zu einer Sucht (extrem starke Gewohnheit) werden lässt.
 

Nochmal kurz zusammengefasst:

Insgesamt läuft der Prozess einer Gewohnheit in unserem Kopf also in drei Schritten ab.

Der erste Schritt ist der Auslöser: das ist eine Indiz für das Gehirn, welche Gewohnheit ausgelöst werden soll und wann es in einen passiven Zustand verfallen kann.

Dann kommt die tatsächliche Routine: diese kann physisch, mental oder emotional sein.

Und zum Schluss haben wir noch die Belohnung: Sie signalisiert unserem Verstand, dass es sinnvoll ist die Routine auf den Auslöser auszuführen, weil es in irgendeiner Form für die Befriedigung eines Verlangens sorgt.
 

Ohne Verlangen geht nichts

Ein Verlangen spielt bei der Funktionsweise von Gewohnheiten ebenfalls eine zentrale Rolle. Ein Verlangen ist nämlich für viele unserer Gewohnheiten so etwas wie der Treibstoff, der die Gewohnheit startet und darüber hinaus am Laufen hält.

Erst durch ein solches Verlangen kommt es in vielen Situationen überhaupt dazu, dass wir eine bestimmte Routine ausführen. Erhalten wir durch die Ausführung der Routine dann eine Belohnung (in Form einer Befriedigung des Verlangens), beginnt sich nach und nach eine Gewohnheit zu formen.

Führen wir die Routine dann zum wiederholten Male aus, beginnen aus dem Verlangen plötzlich Auslöser zu entstehen und damit schließt sich der 3-teilige Prozess einer vollendeten Gewohnheit.
 

Hopkins und die Erfolgsgeschichte der Zahnpasta

Zahnpaste und Zahnbürste

An dieser Stelle möchte ich noch ein kleines Beispiel aus der Werbeindustrie aufführen, das sehr schön demonstriert, wie mächtig Gewohnheiten eigentlich sind.

Das Beispiel dreht sich um einen Mann namens Claude C. Hopkins und den Verkauf von Zahnpasta. Hopkins war ein begnadeter Marketer & Verkäufer Anfang des 20. Jahrhunderts, dem nachgesagt wird, dass er es geschafft hatte durch seine Werbeideen die Gewohnheit des Zähneputzens in der Bevölkerung zu installieren. Eine Gewohnheit, die ja noch heute von Millionen von Menschen rund um den Globus tagtäglich ausgeübt wird. Und mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auch von dir, stimmt’s?
 

Doch wie genau hat Hopkins das angestellt?

Ganz einfach: Indem er das Wissen über den Ablauf einer Gewohnheiten eingesetzt hat und mit desse Hilfe in den Köpfen der Leute eine äußerst starke Gewohnheit kreiert hat.
 

Hier eine Kurzversion der Geschichte:

Noch Anfang des 20. Jahrhunderts war Zähneputzen sehr unbekannt und nicht weit verbreitet, obwohl die Zahnärzte schon seit Jahren versuchten ihren Patienten die Vorteile des Zähneputzens begreifbar zu machen und sie dazu zu animieren.

Es war also schon bekannt, dass Zähneputzen Karies und anderen Zahnerkrankungen vorbeugt, aber dieses Wissen alleine hat nicht ausgereicht, um die Menschen dazu zu bringen sich täglich die Zähne zu putzen.

Hopkins erkannte das Problem, das darin lag, dass es keinen wirklichen Auslöser und auch keine direkte Belohnung in der bisherigen Kette gab.

Wir wollen Belohnungen, die sofort spürbar sind und Karies vorzubeugen ist nicht unbedingt eine Belohnung, die sich sofort bemerkbar macht.

Um das zu ändern und eine echte Gewohnheit in den Köpfen der Leute zu installieren, kam Hopkins mit einer genialen Idee auf.

Er begann Werbungen und Werbebotschaften zu kreieren, die Zähneputzen wie folgt zu verkaufen versuchten:
 
„Wir alle haben einen unangenehmen Film über den Zähnen, der unsere Zähne verfärbt, ihnen schadet und für schlechten Atem sorgt. Setzt du jetzt die Zahnpasta XYZ ein und putzt dir gerade ein mal 3 Minuten täglich die Zähne, verschwindet dieser Film und du spürst SOFORT, wie deine Zähne sich gesünder anfühlen und dein Atem frischer wird.“
 
Durch einen solch simplen Aufbau der Werbebotschaft, hat es Claude Hopkins dann tatsächlich geschafft, Zähneputzen in der Gesellschaft zu etablieren und die Zahnpastafirma, die ihn damals engagiert hatte, zu einem vollen Erfolg zu machen.
 

Zähneputzen als Gewohnheit

Hopkins hatte es also geschafft eine solch simple und auf 3 Schritten aufbauende Gewohnheit in den Köpfen der Leute zu installieren.

Schritt 1 – Der Auslöser: Wir alle haben einen unangenehmen Film auf den Zähnen. Wenn man das hört, braucht man sich nur mit dem Finger über die Zähne zu fahren, den Film zu spüren und voila, wir haben den Auslöser.

Schritt 2 – Die Routine: Wir greifen zu Zahnbürste und Zahnpasta, putzen uns die Zähne und schon haben wir eine Routine.

Schritt 3 – Die Belohnung: Und wenn wir fertig sind, fahren wir uns erneut mit dem Finger über die Zähne, spüren wie der unangenehme Film weg ist und unser Atem sich frisch anfühlt und wir haben auch die dritte und letzte Komponente einer wirkungsvollen Gewohnheit: die Belohnung.

Mittlerweile ist Zähneputzen so normal geworden, dass wir den Kindern nicht mehr solche Botschaften kommunizieren müssen, um sie dazu zu bringen sich ihre Zähne zu putzen. Die Gewohnheit ist schon lange gesellschaftlich etabliert und weil es nun mal alle machen, machen wir es automatisch auch.

Doch zu der Zeit von Claude C. Hopkins galt das nicht und er war es, der durch sein Verständnis über die Funktionsweise von Gewohnheiten diese Gewohnheit überhaupt erst erschaffen hat.

Ok, das war auch schon die vollständige Erklärung und ein interessantes Beispiel dazu, wie Gewohnheiten funktionieren, bzw. warum wir tun was wir tun.
 

Schalte deinen Verstand nicht wahllos auf Autopilot

Ich hoffe dieses Wissen hilft dir zukünftig dabei, dich selbst zu ertappen, wenn dein Verstand in bestimmten Situationen auf Autopilot schaltet bzw. eine Gewohnheit aktiviert, um dann entscheiden zu können: Ist das jetzt an dieser Stelle wirklich sinnvoll, oder sollte ich selbst am Steuer bleiben und diese Routine nicht ausführen? Setze es also im Prozess deiner Persönlichkeitsentwicklung ein, um dich von negativen Gewohnheiten zu befreien und um gesunde Gewohnheiten aufzubauen.
 

„Die Macht der Gewohnheit“ von Charles Duhigg

Noch ein kleiner Hinweis zum Schluss. Wer diese Thematik jetzt interessant fand und sich näher damit beschäftigen möchte, dem kann ich nur das Buch „Power of Habit“ oder zu Deutsch „Die Macht der Gewohnheit“ von Charles Duhigg empfehlen. Darin wird im Detail auf diesen 3-teiligen-Aufbau einer Gewohnheit eingegangen und viele weitere interessante Studien, Fakten & Beispiel machen dieses Buch zu einer Pflichtlektüre.

Nutze dein Potenzial,
Alex