Im meinem letzten Video bin ich darauf eingegangen, dass Gewohnheiten der zentrale Schlüssel sind, wenn es darum geht Erfolg zu haben und seine Ziele zu erreichen – ganz gleich in welchem Bereich.

In diesem Video möchte ich einen Vergleich von Steve Pavlina aufgreifen. Er vergleicht die Installation neuer bzw. die Änderung bereits bestehender Gewohnheiten mit einer Schachpartie und deshalb möchte ich dir im Folgenden erklären, wie ein solches Spiel abläuft und welche 3 Schritte du daraus für die Installation deiner Gewohnheiten ziehen kannst.
 

Die 3 Schritte bis zur Installation einer Gewohnheit

Schachbrett & Schachfiguren
© Shutterstock / Nyord

Du musst wissen, dass eine Schachpartie aus insgesamt 3 aufeinanderfolgenden Sequenzen aufgebaut ist. Der Eröffnung, dem Mittelspiel und dem Endspiel.

Jede dieser Sequenzen baut auf die vorangegangene auf, aber insbesondere viele Neulinge versuchen die ersten beiden Etappen zu überspringen und sofort zum Endspiel anzusetzen. Sie versuchen den gegnerischen König schachmatt zu stellen.

Und genau das ist ein beliebter Fehler, den auch viele Menschen begehen, wenn sie versuchen eine neue positive Gewohnheit aufzubauen. Sie stürzen sich Hals über Kopf in dieses Abenteuer, ohne Vorbereitung und ohne einen klaren Plan.

Wenn sie bspw. abnehmen wollen, dann reicht die Motivation meist für nicht mehr als 2 bis 3 Tage, danach ist die Willenskraft erschöpft und sie geben auf.

Damit dir dieser Fehler erspart bleibt, möchte ich dir im Folgenden genau erklären, was du beachten musst, um eine neue Gewohnheit richtig zu installieren.
 

Schritt 1: Die Eröffnung (Informationsbeschaffung)

Student beim Lernen
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Das Schachspiel beginnt mit der Eröffnung. Diese bildet die Grundvoraussetzung für den Erfolg des gesamten Spiels. Im Schach hat man eine Menge Möglichkeiten: die spanische, die russische, die französiche Eröffnung usw. Entscheidend ist dabei die Bauernarmee richtig zu positionieren.

Dabei geht es darum die Bauern so aufzustellen, dass der König, sowie die restlichen wichtigen Figuren, gut geschützt bleiben und man trotzdessen seine Dominanz auf dem Brettmittelfeld ausbauen kann.

Übertragen auf deine Gewohnheit würde dies bedeuten, Bücher zu dem Thema zu lesen, Erfahrungsberichte im Internet oder in einschlägigen Foren zu studieren, themenrelevante Videos & Filme anzusehen, Workshops oder Seminare zu besuchen etc.

Es geht also darum zunächst einmal so viele und so gute Informationen zu dem Thema wie möglich zu sammeln.

Um dich für die Installation der bevorstehenden Gewohnheit auch noch so richtig zu motivieren, eignen sich beispielsweise Biographien von Menschen sehr gut, die bereits das geschafft haben, was du vorhast. Diese Fähigkeit bezeichnet man im Übrigen als Modeling, also das Nachahmen von bestimmten Charakterzügen.

Wenn du schon mal ein professionelles Schachspiel gesehen hast, dann weißt du vielleicht, dass diese erste Phase, also die Eröffnung, nicht kompliziert ist und die Spieler die Figuren sehr schnell bewegen.

Genauso sollte es bei deiner Recherche sein! Insbesondere in der heutigen Zeit – dank Google & Youtube – ist es nicht mehr besonders schwer die nötigen Informationen zusammenzutragen und dabei dann auch gleich noch die nötige Inspiration & Motivation zu sammeln.

Es ist nichts Anstrengendes und du solltest wie beim Schach hier nicht all zu viel Zeit verlieren. Aber dennoch bildet dieser Schritt die Grundlage für deinen Erfolg und darf deshalb keinesfalls übersprungen werden!
 

Schritt 2: Das Mittelspiel (die aktive Vorbereitung)

Nach einer gelungenen Eröffnung geht man über zum Mittelspiel. Doch auch hier versucht man nicht das Spiel zu beenden – der Fall des gegnerischen Königs ist nicht das Ziel. Vielmehr versucht man ein Momentum zu entwickeln, die gegnerische Front zu zerschlagen und man versucht sich gekonnt einen Vorteil auf dem Spielfeld zu verschaffen.

Dabei lässt sich das Mittelspiel in 3 weitere Teilschritte unterteilen:
 

Identifiziere die K.O.-Punkte bzw. deine Schwachpunkte

Die Eröffnung war also das Sammeln von Informationen. Beim Mittelspiel bedeutet dies für deine Gewohnheit, dass du dich nun langsam der Praxis annäherst. Aber auch hier darfst du die Gewohnheit noch nicht direkt anpacken – dafür ist es noch zu früh.

Jetzt geht es viel mehr darum, dass du dich auf die richtige Umsetzung vorbereitest.

Stell dir die richtigen Fragen und bereite dich vor. Wo sind bspw. deine Schwachpunkte oder wie wir bei FlowFinder sie nennen „K.O.-Punkte“? Das ist eine der wichtigsten Fragen, die du dir bei der Installation neuer Gewohnheiten stellen musst.

Nehmen wir mal einen Raucher als Beispiel. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieser Raucher Menschen in seinem Umfeld hat, die ebenfalls rauchen. Selbst wenn er dem Verlangen nach einer Zigarette eine Zeit lang wiederstehen kann, so wird es für ihn sehr schnell unverhältnismäßig schwierig werden, wenn auf einmal seine Freunde anfangen in seinem Beisein zu rauchen.

Unsere Selbstdisziplin oder Willensstärke, ist nämlich wie ein Muskel, dessen Kraft auf Dauer nachlässt.

Das haben wir ja bereits in dem Artikel darüber gelernt, wie unsere Gewohnheiten funktionieren.

Oder vielleicht verabredet sich dieser Rauche zu einem Treffen mit seinen Freunden in ihrer Stammkneipe, wo kräftig gequalmt wird.

Was denkst du, wie hoch ist seine Chance das durchzustehen? Verschwindend gering, stimmt’s? Auch wenn er eine eiserne Disziplin hat, irgendwann wird seine Willenskraft aufgebraucht sein und dann ist er K.O. – er wird nachgeben. Das ist jetzt nur ein Beispiel für einen solchen möglichen K.O.-Punkt.

Es gibt mit Sicherheit eine Menge anderer Situationen, in denen sein Verlangen nach einer Zigarette ausgelöst wird. In dieser Phase, also im Mittelspiel, musst du dir also genau überlegen, wo deine ganz persönlichen K.O.-Punkte liegen.
 

Supportsystem für deine Gewohnheit installieren

Das Nächste, das du bedenken solltest, sind Möglichkeiten zur Selbsthilfe & Unterstützung. Du brauchst soganannte Supportsysteme.

Frag dich dafür einfach: Wie kannst du es dir selbst einfacher machen? Wenn du bspw. jeden Tag joggen oder ins Fitnessstudio gehen willst, dann kannst du versuchen einen Trainingspartner zu finden, so dass ihr euch gegenüber dem anderen verantwortlich fühlt und euch gegenseitig motivieren könnt.

Du könntest dir vielleicht auch einen MP3-Player besorgen, so dass dir beim Laufen nicht so langweilig wird. Überleg dir genau, wie du dir selbst eine Hilfestellung geben kannst, damit der Aufbau der Gewohnheit nicht gar so schwierig wird und die Chancen sinken, dass du das Handtuch schmeißt.
 

Belohnung für eine erfolgreich installierte Gewohnheit

Der letzte Punkt beim Mittelspiel, ist eine Belohnung. Eine Belohnung an dich selbst, wenn du die Gewohnheit/Routine durchhälst. Wenn du konsequent das machst, was du dir vorgenommen hast. Empfehlenswert ist es sich diese Belohnung 30 Tage in der Zukunft zu setzen, da nach dieser Zeit nahezu jede neue Routine zur Gewohnheit wird.

Überleg dir also, was du dir schon lange wünscht und womit du dir selbst eine Freude bereiten könntest? Womit wirst du dich nach diesen 30 Tagen belohnen, wenn du durchgehalten hast?

Schreib es dir am Besten auf und häng es irgendwo hin, damit du dir diese Belohnung jeden Tag vor Augen hältst und sie dich immer wieder aufs Neue motiviert.

Du siehst also, dass du auch beim Mittelspiel noch nicht zum aktiven Teil übergehst.

Hier sollte sich dein Augenmerkmal auf die richtige Planung und Vorbereitung richten. Besorg insbesondere alles Notwendige für den Start. Wenn du anfangen willst zu Joggen, dann besorg dir passende Laufschuhe. Wenn du mit Gewichtstraining anfangen willst, dann kümmere dich um eine entsprechende Mitgliedschaft im Fitnessstudio, oder bestell dir hochwertiges Eiweiß, als Nahrungsergänzung.

Mach dir Gedanken über alles was schiefgehen könnte. Identifiziere all deine K.O.-Punkte. Wenn du abnehmen willst, dann schmeißt alle Süßigkeiten und das gesamte Fastfood aus dem Fenster. Besorg stattdessen die nötigen Zutaten für eine gesunde Ernährung, bestell entsprechende Bücher bei Amazon und sammle weitere Infos.

Das Mittelspiel ist nicht nur beim Schach extrem wichtig, sondern auch wenn es dazu kommt eine neue Gewohnheit aufzubauen.

Die meisten Menschen treffen nicht diese notwendigen Vorbereitungen! Sie überspringen das gesamte Mittelspiel, in der Hoffnung sich die zusätzliche Vorarbeit zu ersparen und legen damit selbst den Grundstein für ihren späteren Misserfolg.

Sei du schlauer, als die meisten anderen! Kümmer dich um dein Mittelspiel und verschaff dir so eine bessere Ausgangslage und einen stärkeren Start. Denn ab hier geht’s dann direkt ins Endspiel.
 

Schritt 3: Das Endspiel (aktive Umsetzung)

Das Endspiel ist die letzte Etappe einer Schachpartie und das Ziel liegt hier darin, den gegnersichen König durch einen gezielten Angriff zu Fall zu bringen. Übertragen auf die Gewohnheiten bedeutet das also, gegen unseren inneren Schweinehund aktiv anzukämpfen und die Routine solange konsequent auszuführen, bis sie zu einer Gewohnheit geworden ist.

Wenn man in der Eröffnung und im Mittelspiel seine Figuren richtig platziert hat, ist der Spielausgang jetzt eine selbsterfüllende Prophezeiung.

Durch die richtige Vorbereitung, ist es jetzt ein Einfaches den Gegener mit jedem Spielzug immer mehr anzugreifen unter Druck zu setzen, bis dessen König fällt. Dasselbe gilt auch für deine Gewohnheiten!

Schachbrett & Schachfiguren
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Jetzt musst du aktiv mit der Umsetzung der Gewohnheit loslegen und dranbleiben, auch wenn es mal hart wird. Vergiss nicht, dank der ersten beiden Etappen hast du jetzt eine starke Ausgangsposition und einen Plan, der deine Erfolgswahrscheinlichkeit immens steigert!

Das Ziel sollte jetzt sein die Routine mindestens 30 Tage am Stück OHNE auch nur einen einzigen Aussetzer auszuführen.

Erst dann formt sich nämlich eine echte Gewohnheit in deinem Verstand.

Wenn du dir beispielsweise vorgenommen hast regelmäßig Sport zu treiben, musst du jetzt die kommenden 30 Tage, jeden Tag & ohne Ausnahme, Sport treiben. Nur so bildet sich nach und nach eine Gewohnheit, die dafür sorgen wird, dass es dir auch über diese 30 Tage hinaus leichter fallen wird, regelmäßig Sport zu treiben. Nur so bekämpfst du deinen inneren Schweinehund ein für alle mal!
 

Warum du nicht durchhältst & vorzeitig aufgibst

Schachbrett & Schachfiguren
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Wenn du im Endspiel versagst, dann lag der Wendepunkte bzw. der Fehler schon lange bevor du überhaupt begonnen hast. Du hast dich überschätzt, dich nicht genügend darauf vorbereitet oder deine Schwächen nicht genau und gut genug analysiert. Dein innerer Schweinehund war in diese Fall einfach besser & stärker, als du!

Deshalb sind die ersten beiden Stadien so dermaßen wichtig. Was Disziplin angeht, so ist diese auch im Endspiel immer nötig, aber nur ein Bruchteil, wenn die Eröffnung und das Mittelspiel richtig ausgespielt wurden.

Insbesondere bei sehr schwierigen Gewohnheiten brauchst du eine realistische Einschätzung deiner Willenskraft.

Du musst genau wissen, wie viel Willenskraft hast du und dein Ziel sowie deine Planung genau darauf ausrichten.

Du siehst also Disziplin ist nötig, aber es geht nicht darum die Zähne zusammenzubeißen bis du vor Schmerz ohnmächtig wirst. Es geht darum den Vorrat deiner Willenskraft richtig einzuschätzen & auszuspielen.

Du musst langfristig denken, denn die Installation einer Gewohnheit ist kein Sprint, sondern vielmehr ein 30-tägiger Marathonlauf. Und um einen Marathonlauf durchzuhalten musst du deine Ressourcen kennen und richtig einplanen.

Nutze dein Potenzial,
Eugen
 

Auf den Punkt gebracht:

  • Die richtige & dauerhafte Installation neuer Gewohnheiten läuft wie beim Schach in 3 Etappen ab: Der Eröffnung, dem Mittelspiel und dem Endspiel.
  • Schritt 1 – Die Eröffnung: Informations- & Wissensbeschaffung.
  • Schritt 2 – Das Mittelspiel: praktische Vorbereitung für die Umsetzung der Routine. K.O.-Punkte identifizieren & eliminieren. Ressourcen/Willenskraft richtig einschätzen & planen, Supportsysteme & Belohnung ins Spiel bringen.
  • Schritt 3 – Das Endspiel: tägliche Umsetzung der Routine über 30 Tage hinweg – ohne Ausnahmen!
  • Aufgabe/Misserfolg ist oftmals das Resultat von fehlender oder falsch umgesetzter Eröffnung & Mittelspiel (Vorbereitung).